FAQ Symposium & TSVW 2020

Ihre Fragen zum Symposium der Finanzdienstleistungen und Tag der saarländischen Versicherungswirtschaft von Referenten und Experten beantwortet

1) „Sie meinten hohe Verbraucherschutzstandards aus Kundensicht seien wichtig, andererseits aber auch dass das Datenschutzrecht innovationsfreundlicher werden muss. Widerspricht sich dies nicht?

Hohe Verbraucherschutzstandards und innovationsfreundlicher Datenschutz schließen sich nicht aus. Unsere Kunden wünschen sich, dass ihre Anliegen schnell erledigt werden und sie Antworten auf den Kanälen erhalten, die sie auswählen. Weder den Versicherungsunternehmen noch den Kunden ist geholfen, wenn Datenschutzbehörden z. B. für die E-Mail-Kommunikation Verschlüsselungsstandards verlangen, die die Kunden gar nicht erfüllen wollen und auch in ihrem privaten Mailverkehr nicht erfüllen. Auch sollte das Datenschutzrecht eine schnelle automatisierte Schadenregulierung ermöglichen und nicht von bürokratischen Anforderungen, wie detaillierten Einwilligungen, abhängig machen.
 
Innovationen wie der Einsatz von KI bei der Schadenaufnahme müssen mit vorhandenen Daten konzipiert und erprobt werden können, damit sie später Kunden und Unternehmen nützen.

2) „Hat der GDV schon konkrete Vorgaben parat, wie ein Vermittler den Kunden fragen soll, wenn es um Nachhaltigkeit geht? Also was muss denn in den Anlegerfragebogen konkret rein? Und wie gut sind die Vertriebler vorbereitet?

Die Verpflichtung Nachhaltigkeitspräferenzen in der Beratung zu berücksichtigen ist gar nicht so neu, wie es auf den ersten Blick scheint. Schließlich müssen die Wünsche und Bedürfnisse des Kunden schon heute erfragt und berücksichtigt werden. Dazu zählen auch etwaige Nachhaltigkeitspräferenzen.
 
Neu ist, dass explizit nach diesen Nachhaltigkeitspräferenzen gefragt werden muss und dass das zu dokumentieren ist. Es wird nun darauf ankommen, wie detailliert diese Pflicht von der EU-Kommission ausgestaltet wird. Die offiziellen Entwürfe der geänderten delegierten Rechtsakte der IDD und MiFID II erwarten wir erst im Januar 2021. Wir haben mit Unternehmensvertretern einen FAQ-Katalog erstellt, der den Unternehmen bei der Umsetzung helfen soll. Die Version FAQ-Katalog 2.0 ist in Arbeit.  Und es wird wohl nicht die letzte bleiben.
 
Wie gut der Vertrieb vorbereitet ist? Wir beobachten, dass das Angebot an nachhaltigen Anlageprodukten rasant steigt. Das ist einerseits sehr positiv, da es die Auswahl für die Kunden erweitert. Andererseits muss der Vertrieb die neuen Produkte natürlich kennen und profund dazu beraten können. Die nötige Infrastruktur für die Weiterbildung besteht bereits und mit „gut beraten“ hat sich die Branche für einen Weiterbildungsstandard oberhalb der Mindestvorgabe entschieden.

3) „Wie können die Mitarbeiter noch stärker in Richtung Digitalisierung mitgenommen werden? (Mindset)“

4) „Welche datenschutzrechtlichen Einschränkungen engen die Handlungsoptionen von Versicherern zu sehr ein?“

5) „Wie kann der Datenschutz dagegen abgewogen werden – Diskussionen um die Corona-App?“

6) „Ihre ausdrückliche Impfempfehlung und der Verzicht auf medizinische Versorgung im Covid19-Erkrankungsfalle; welche Personengruppen können Sie hier ausschließen? Ich denke da an Rheumaerkrankte, die Immunsuppressiva einnehmen.“

7) Ein Impfnachweis – nicht zu verwechseln mit einem Immunitätsstatus – wäre als persönlicher positiver Beitrag zur Risikominimierung zu bewerten. Aus medizinischen Gründen: Nicht-Impfbare gibt es nur sehr wenige; Immunsuppression z.B. bei rheumatischen Erkrankungen könnte die Wirksamkeit der Impfung vermindern, aber wohl nicht die Nebenwirkungen verstärken.

8) Wie kritisch sieht Herr Prof. Feld die ansteigende Staatsverschuldung?

a) Ist es richtig, dass der Staat sich jetzt so verschuldet?
Uneingeschränkt ja. Dafür hält man das Pulver trocken: Um in einer Wirtschaftskrise mit expansiver Fiskalpolitik gegenzuhalten.

b) Können wir uns das leisten? Die Tragfähigkeit der öffentlichen Finanzen in Deutschland und damit deren Solidität ist keineswegs in Frage gestellt. Die Schuldenstandsquote steigt dieses Jahr von 59% auf 72% und kommendes Jahr, wenn es schlecht läuft, noch ein bisschen höher. Aber damit bleiben wir zum Beispiel unter den 82% aus dem Jahr 2010, also kurz nach der Finanzkrise. Man sieht dies auch an der Zinsentwicklung. Die deutschen Zinsen bleiben niedrig. Das heißt nicht, dass man das Geld zum Fenster rauswerfen soll. Ich finde z.B. die November- und Dezember-Hilfen zu üppig. Statt am Umsatz des Vorjahresmonats sollten sich an Fixkosten plus pauschalierter Unternehmerlohn orientiert sein.

c) Wer bezahlt das? Die Konsolidierung muss einsetzen, wenn sich die Wirtschaftserholung nachhaltig verfestigt hat. Das kann schon im Jahr 2022 sein. Dann muss die Konsolidierung vor allem über ein stärkeres Wirtschaftswachstum gehen. Wachstumsschädliche Steuererhöhungen verbieten sich daher auch in der mittleren Frist. Es wird gleichwohl notwendig sein, Ausgabenkontrolle zu üben, die Ausgaben also nicht über das Wachstum des BIP ansteigen zu lassen.

9) Natürlich muss sich der klassische Vertrieb digitale Tools aneignen! Aber was ist mit den Kunden? Die Altersstrukturen zwischen 50 bis 70 ist bei weitem nicht so digital unterwegs, wie wir uns das wohl alle wünschen würden! Was tun?

Ich glaube, dass Technik nicht als Ersatz für den klassischen Vertrieb sondern eher als Partner gesehen werden muss. Je erfolgreicher die Verknüpfung von Technik mit Vertrieb desto besser der Unternehmenserfolg. Miteinander und nicht gegeneinander.

Von  Dirk Hermann : Am Ende geht es um das Beste aus beiden Welten: die digitale Agentur, vor Ort, persönlich und digital erreichbar mit digitaler realtime Abwicklung.

Von  Holger Heidinger : Hier ist der persönliche Kontakt m.E. immer noch der beste Weg!

Von  Dennis Heitmann : Ich denke auch, dass sich in Zukunft Versicherungsprodukte ohne persönlichen Kontakt nicht vertreiben lassen. Dazu ist das Produkt „Versicherung“ für die Breite der Bevölkerung nicht greifbar genug. Aber die Mischung aus analogem und digitalem Vertrieb wird sich m.E. nach durchsetzen.

Von  Reinhold Faller : Hallo Herr Heidinger, es gibt ja nicht nur einen Ansatz der Betreuung. Diese wird auch künftig sehr unterschiedlich sein. Der Kunde wählt den Vertriebsweg nicht der Versicherer. Der Versicherer muss aber die verschiedenen Zugangswege bereitstellen…